Interventioneller PDA-Verschluss
Therapie des persistierenden Ductus arteriosus
Auf dieser Seite geht es speziell um die Therapie eines PDA, also den Verschluss eines persistierenden Ductus arteriosus bei Hund und Katze.
Eine ausführliche Beschreibung dazu, was ein PDA ist, wie die Diagnose gestellt wird und welche Auswirkungen die Erkrankung hat, finden Sie auf unserer allgemeinen PDA-Seite.
In den meisten Fällen sollte ein PDA möglichst früh verschlossen werden, bevor sich Folgeschäden an Herz oder Lungengefäßen entwickeln.
Warum wird ein PDA verschlossen?
Der Verschluss eines PDA ist in den meisten Fällen die empfohlene Therapie, weil er die Fehlzirkulation beseitigt und damit die Belastung des Herzens reduziert.
Ziel: Verhinderung von Herzvergrößerung, Herzinsuffizienz und Spätfolgen
Wichtig: Je früher der PDA verschlossen wird, desto besser sind in der Regel Prognose und Langzeitverlauf
Wie behandelt man einen PDA?
Früher war meist nur eine Operation am offenen Brustkorb möglich. Heute kann ein PDA in den meisten Fällen minimalinvasiv mittels Katheter verschlossen werden.
Dieses Verfahren ist deutlich weniger invasiv, da der Brustkorb geschlossen bleibt. Es ist deshalb in vielen Fällen die bevorzugte Therapie.
Je nach Größe des Patienten, Gefäßdurchmesser und Anatomie des Ductus kommen unterschiedliche Verschlusssysteme zum Einsatz.
Standardverfahren: Amplatzer Duct Occluder
Der Amplatzer Duct Occluder ist heute in vielen Fällen das bevorzugte Verfahren für den interventionellen PDA-Verschluss.
Dieses selbstexpandierende Verschlusssystem aus Nitinol wird über einen Katheter in den PDA eingebracht und dort freigesetzt. In den meisten geeigneten Fällen erlaubt es einen sehr zuverlässigen Verschluss mit niedriger Komplikationsrate.
Durch seine Form und den Haltekragen liegt der Occluder stabil im Ductus. Das eingearbeitete Gewebe unterstützt zusätzlich den endgültigen Verschluss des Gefäßes.
Wie läuft der Eingriff ab?
Für den interventionellen PDA-Verschluss wird ein Katheter über die Femoralarterie an der Hintergliedmaße zum Herzen vorgeschoben. Vor dem eigentlichen Verschluss wird meist eine Angiographie durchgeführt, um Form und Durchmesser des PDA genau zu beurteilen.
Danach wird das passende Verschlusssystem kontrolliert im PDA positioniert.
Prof. Wess beim Vorschieben des Katheters durch die Femoralarterie
Angiographie vor dem Verschluss
Mit der Kontrastmitteldarstellung kann der PDA unter Durchleuchtung exakt dargestellt werden. Dies hilft bei der Auswahl des geeigneten Verschlusssystems.
Der PDA ist auf der Angiographie markiert.
AO: Aorta
PA: Pulmonalarterie
Video einer Angiographie vor dem PDA-Verschluss:
Angiographie eines persistierenden Ductus arteriosus vor dem Verschluss. Das Kontrastmittel zeigt die Verbindung zwischen Aorta und Pulmonalarterie.
Für welche Tiere ist der Amplatzer-Verschluss geeignet?
Mit dem Amplatzer-Verfahren können häufig Tiere ab etwa 1,5 bis 2,5 kg erfolgreich behandelt werden. Welche Methode im Einzelfall möglich ist, hängt jedoch nicht nur vom Gewicht, sondern auch von Gefäßgröße und Anatomie ab.
Alternatives Verfahren bei kleinen Patienten: Coil-Verschluss
Bei kleineren Patienten oder sehr kleinen Gefäßen kann statt eines Amplatzer-Systems ein Coil verwendet werden.
Der Coil wird zunächst gestreckt im Katheter vorgeschoben. Nach dem Austritt aus dem Katheter nimmt er seine spiralförmige Struktur an und kann kontrolliert positioniert werden.
Die spezielle Spirale und das Material des Coils unterstützen zusammen mit der lokalen Gerinnselbildung den endgültigen Verschluss des PDA.
Nach der Positionierung wird mittels Herzultraschall und gegebenenfalls erneuter Angiographie überprüft, wie vollständig der Verschluss gelungen ist.
Angiographie nach erfolgreich durchgeführtem Coil-Verschluss:
Nach dem Verschluss fließt das Blut nicht mehr durch den PDA. Der Ductus ist erfolgreich verschlossen.
Was passiert mit dem Blutdruck nach dem Verschluss?
Beim offenen PDA ist besonders der diastolische Blutdruck oft deutlich erniedrigt. Nach einem erfolgreichen Verschluss steigt dieser meist unmittelbar an.
Wann ist ein chirurgischer Verschluss notwendig?
Ein chirurgischer PDA-Verschluss kann sinnvoll sein, wenn ein Katheterverschluss wegen sehr kleinen Körpergewichts, ungünstiger Gefäßverhältnisse oder spezieller Anatomie nicht geeignet ist.
Beim chirurgischen Vorgehen wird der Brustkorb eröffnet und der PDA direkt mit Fäden oder einem Gefäßclip verschlossen. Da der Katheterverschluss in vielen Fällen weniger invasiv ist und eine sehr gute Erfolgsrate bietet, empfehlen wir eine Operation heute meist nur noch in ausgewählten Ausnahmefällen.
Welche Rolle spielt der Herzultraschall vor dem Eingriff?
Der Herzultraschall ist entscheidend für die Planung des Eingriffs. Er hilft, die Form und Größe des PDA, die Belastung des Herzens sowie mögliche Hinweise auf pulmonale Hypertonie oder einen Rechts-Links-Shunt zu beurteilen.
Patienten mit Lungenödem sollten vor dem Eingriff zunächst medikamentös stabilisiert werden.
Prognose nach erfolgreichem PDA-Verschluss
Nach einem erfolgreichen Verschluss ist die Prognose in den meisten Fällen sehr gut.
Wird der PDA frühzeitig behandelt, ist häufig eine normale Lebenserwartung möglich. Oft kann eine zuvor notwendige medikamentöse Therapie später reduziert oder ganz beendet werden.
Kosten
Die Kosten für einen PDA-Verschluss liegen inklusive Voruntersuchungen je nach Klinik grob im Bereich von etwa 2500 bis 3500 Euro oder darüber.
Weitere Informationen und Kontakt
Wenn Sie sich zunächst allgemein über die Erkrankung informieren möchten, lesen Sie bitte auch unsere Hauptseite zum PDA.
Für Terminvereinbarungen oder Fallanfragen: kleintier.kardiologie@lmu.de