Herzschrittmacher bei Hunden und Katzen
Wann ein Herzschrittmacher sinnvoll sein kann
Ein Herzschrittmacher ist ein elektronisches System, das den Herzmuskel bei zu langsamen Herzrhythmen regelmäßig stimuliert und dadurch eine ausreichende Herzfrequenz sicherstellt.
Bei Hunden und Katzen wird ein Herzschrittmacher vor allem dann eingesetzt, wenn eine klinisch relevante Bradykardie vorliegt, also ein zu langsamer Herzschlag, der zu Schwäche, Leistungsminderung, Kollaps oder Ohnmachtsanfällen führen kann.
In vielen Fällen verbessert eine erfolgreiche Schrittmacher-Implantation die Lebensqualität deutlich. Viele Besitzer berichten nach dem Eingriff von einem wieder deutlich wacheren, aktiveren und belastbareren Tier.
Typische Indikationen für einen Herzschrittmacher
Herzschrittmacher werden vor allem bei symptomatischen Bradykardien eingesetzt.
Häufige Indikationen:
AV-Block 2. Grades
AV-Block 3. Grades
Sick-Sinus-Syndrom
Vorhofstillstand mit Bradykardie
Entscheidend ist nicht nur der Rhythmusbefund selbst, sondern vor allem, ob das Tier unter dem langsamen Herzrhythmus klinische Symptome entwickelt.
Welche Symptome können auftreten?
Ein zu langsamer Herzrhythmus kann dazu führen, dass der Körper – besonders unter Belastung – nicht mehr ausreichend durchblutet und mit Sauerstoff versorgt wird.
- Leistungsschwäche
- Lethargie
- Schwächeanfälle
- Kollaps
- Synkopen (Ohnmachtsanfälle)
- verminderte Belastbarkeit
Gerade wiederkehrende Synkopen sind ein sehr häufiger Grund, warum Tiere zur weiteren Abklärung und später zur Herzschrittmacher-Implantation vorgestellt werden.
Welche Untersuchungen gehen einer Implantation voraus?
Vor einer Herzschrittmacher-Implantation erfolgt eine gründliche kardiologische Aufarbeitung. Dazu gehören in der Regel:
- klinische Untersuchung
- EKG
- gegebenenfalls Langzeit-EKG / Holter
- Herzultraschall
- Röntgenuntersuchung
- Blutuntersuchungen je nach Fall
Diese Untersuchungen sind wichtig, um die genaue Ursache der Bradykardie zu erfassen und Begleiterkrankungen auszuschließen oder mit zu berücksichtigen.
Herzschrittmacher an der Kleintierklinik der LMU
An der Tierkardiologie der Kleintierklinik der LMU werden Herzschrittmacher regelmäßig implantiert.
Unter der Leitung von Prof. Dr. Gerhard Wess werden transvenöse Herzschrittmacher-Implantationen routinemäßig durchgeführt. Die regelmäßige Durchführung solcher Eingriffe ist ein wichtiger Faktor für Erfahrung, standardisierte Abläufe und perioperative Sicherheit.
Wie funktioniert ein Herzschrittmacher?
Ein Herzschrittmachersystem besteht aus dem eigentlichen Aggregat und einer oder mehreren Elektroden. Das Aggregat enthält die Elektronik und die Batterie.
Die Elektrode erkennt die elektrische Aktivität des Herzens und kann bei Bedarf einen elektrischen Impuls an den Herzmuskel weitergeben. Moderne Systeme stimulieren in der Regel nur dann, wenn kein ausreichender eigener Herzrhythmus erkannt wird.
Bei manchen Patienten können auch frequenzadaptive Systeme eingesetzt werden. Häufig genügt bei Hund und Katze jedoch eine fest eingestellte oder passend programmierte Mindestfrequenz.
Wie läuft die Implantation ab?
Die Implantation erfolgt in Vollnarkose und dauert häufig weniger als eine Stunde, je nach Anatomie und individuellem Fall auch etwas länger.
In der Regel wird die Jugularvene am Hals freipräpariert. Über diese Vene wird die Elektrode vorsichtig bis ins Herz vorgeschoben. Die korrekte Position wird über einen Röntgenbildschirm kontrolliert.
Nach Testung der elektrischen Funktion wird die Elektrode mit dem Schrittmacher verbunden. Das Aggregat selbst wird unter der Haut, meist im Bereich hinter dem Schulterblatt, in einer kleinen Gewebetasche implantiert.
Nach dem Wundverschluss erholen sich die Tiere meist rasch. Viele Patienten können am selben oder am nächsten Tag wieder nach Hause entlassen werden.
Was verbessert sich nach dem Eingriff?
Ziel der Implantation ist eine stabile Herzfrequenz und damit eine bessere Kreislaufsituation.
Bei erfolgreicher Implantation verschwinden Ohnmachtsanfälle häufig vollständig. Auch Belastbarkeit, Wachheit und allgemeine Aktivität bessern sich bei vielen Tieren deutlich.
Ein Herzschrittmacher behandelt zwar nicht jede zugrunde liegende Herzerkrankung, kann aber die Folgen einer schweren Bradykardie sehr effektiv ausgleichen.
Nachsorge und Kontrollen
Nach der Implantation sind regelmäßige Nachkontrollen wichtig. Eine erste Kontrolle nach etwa einer Woche dient vor allem der Wundkontrolle und dem Fadenzug und kann häufig auch beim Haustierarzt erfolgen.
Eine weitere Kontrolle erfolgt meist nach einigen Wochen bis Monaten in der Klinik. Dabei werden Herzrhythmus, Sondenfunktion, Batteriestatus und die Programmierung überprüft.
Danach sollten Herzschrittmacher in der Regel mindestens einmal jährlich kontrolliert werden. Änderungen der Programmierung können mit einem externen Gerät erfolgen und erfordern normalerweise keinen erneuten chirurgischen Eingriff.
Wie lange hält die Batterie?
Die Batterielaufzeit hängt davon ab, wie häufig der Schrittmacher stimulieren muss und welche Einstellungen gewählt werden.
Typischerweise liegt die Laufzeit bei mehreren Jahren, häufig bei ungefähr 7 Jahren. Wenn die Batterie zur Neige geht, muss das Aggregat ersetzt werden.
Gibt es Risiken?
Wie bei jedem Eingriff in Vollnarkose und wie bei jeder interventionellen Herzbehandlung bestehen auch bei einer Herzschrittmacher-Implantation Risiken. Dazu gehören unter anderem Blutungen, Infektionen, Sondenprobleme, Verschiebungen der Elektrode oder Rhythmusstörungen.
Insgesamt handelt es sich jedoch um ein etabliertes Verfahren, das bei geeigneter Indikation in der Regel sehr gute Ergebnisse liefert.
Was kostet eine Herzschrittmacher-Implantation?
Die Kosten hängen vom Einzelfall, vom verwendeten System und vom Aufwand der Diagnostik ab.
Die Kosten für eine Herzschrittmacher-Implantation liegen ungefähr bei ca. 2.500 Euro oder mehr, je nach Klinik und individuellem Aufwand auch deutlich höher.
In der Regel umfasst dies die Fallaufarbeitung einschließlich EKG, Herzultraschall, Röntgen und die Implantation selbst.
Weitere Informationen und Kontakt
Bei Verdacht auf eine klinisch relevante Bradykardie sollte eine kardiologische Untersuchung erfolgen.
- Englische Informationsseite zu Bradyarrhythmien und Schrittmacher-Indikationen
- Überweisungen
- Terminvereinbarung
- Anfahrt
Für Terminvereinbarungen und Rückfragen erreichen Sie die Kleintierklinik der LMU unter +49 89 2180 2650 oder per E-Mail an kleintier.kardiologie@lmu.de.