Die minimalinvasive Reparatur der Mitralklappeninsuffizienz beim Hund
TEER / V-Clamp an der Kleintierklinik der LMU
An der Kleintierklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München bieten wir die minimalinvasive Reparatur der Mitralklappe bei ausgewählten Hunden mit schwerer Mitralklappeninsuffizienz infolge einer myxomatösen Mitralklappenerkrankung an.
Das Verfahren wird am schlagenden Herzen mit der Transcatheter Edge-to-Edge Repair (TEER) mittels V-Clamp durchgeführt. Ziel ist es, die Undichtigkeit der Mitralklappe deutlich zu verringern, ohne eine klassische Operation am offenen Herzen mit Herz-Lungen-Maschine durchführen zu müssen.
Diese Seite richtet sich sowohl an Besitzer als auch an überweisende Tierärzte und Kardiologen.
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PDF-Download unseres Flyers zum TEER-Verfahren PDF für Tierkardiologen: wichtige Echo-Schnittebenen für die erste Einschätzung Zur englischen VersionWas ist die Mitralklappen-Endokardiose?
Die Mitralklappen-Endokardiose, auch myxomatöse Mitralklappenerkrankung genannt, ist eine
fortschreitende degenerative Erkrankung der Mitralklappe. Sie ist die häufigste Herzerkrankung
kleiner Hunderassen.
Durch Veränderungen des Klappengewebes kommt es zu Verdickung, Verkürzung und Elastizitätsverlust. Die Klappe schließt dann nicht mehr vollständig, sodass Blut aus der linken Herzkammer in den linken Vorhof zurückfließt.
Wichtige Folgen der Erkrankung:
Mitralklappeninsuffizienz: Rückfluss von Blut in den linken Vorhof
Volumenbelastung: Vergrößerung von linkem Vorhof und linker Kammer
Herzinsuffizienz: im fortgeschrittenen Stadium sind Lungenödem und Herzversagen möglich
Was ist das TEER-Verfahren?
Die Transcatheter Edge-to-Edge Repair (TEER) ist ein minimalinvasiver Eingriff am schlagenden Herzen zur Behandlung einer schweren Mitralklappeninsuffizienz bei ausgewählten Hunden.
Das V-Clamp-Verfahren ist das veterinärmedizinische Pendant zum aus der Humanmedizin bekannten MitraClip-Konzept. Das Device wird unter moderner bildgebender Kontrolle so platziert, dass sich die Klappensegel besser schließen und die Klappenundichtigkeit reduziert wird.
Wie läuft der Eingriff ab?
Der Eingriff wird in Vollnarkose über einen kleinen Zugang am Brustkorb durchgeführt.
Das V-Clamp-Device wird mithilfe moderner bildgebender Verfahren, insbesondere der
3D-transösophagealen Echokardiographie, in das schlagende Herz geführt.
Dadurch kann die Mitralklappeninsuffizienz reduziert werden, ohne die Belastung einer klassischen Operation am offenen Herzen eingehen zu müssen.
Vorteile des TEER-Verfahrens
- Minimalinvasiver Eingriff über einen kleinen Zugang
- Keine Herz-Lungen-Maschine notwendig
- Eingriff am schlagenden Herzen
- Kurze Eingriffszeit, häufig etwa 40 bis 60 Minuten
- Meist relativ kurze Erholungszeit
- Maßgeschneiderte Behandlung durch verschiedene Device-Größen
Langzeitergebnisse und klinische Entwicklung
Inzwischen liegen ermutigende Langzeitdaten für das TEER-Verfahren beim Hund vor.
In einer prospektiven Studie mit 111 Hunden war die technische Machbarkeit hoch. Etwa drei Viertel der behandelten Hunde lebten nach einem Jahr noch, und rund zwei Drittel nach zwei Jahren. Die Freiheit von kardial bedingter Mortalität lag nach zwei Jahren bei knapp 80%.
Diese Ergebnisse sprechen dafür, dass ausgewählte Hunde mit schwerer Mitralklappeninsuffizienz von dem Verfahren profitieren können. Gleichzeitig bleibt eine sorgfältige Fallauswahl entscheidend.
Im Vergleich dazu ist die Überlebenszeit bei Hunden mit klinischer Herzinsuffizienz unter rein medikamentöser Behandlung oft deutlich kürzer. Das TEER-Verfahren ist deshalb besonders für jene Patienten interessant, bei denen eine deutliche Reduktion der Mitralinsuffizienz realistisch erscheint.
Ist mein Hund für den Eingriff geeignet?
Ob ein Hund für die V-Clamp-Operation geeignet ist, hängt von mehreren Faktoren ab und erfordert immer
eine gründliche kardiologische und bildgebende Untersuchung.
Eine sorgfältige Einschätzung ist wichtig, um Nutzen und Risiko individuell abzuwägen und zu beurteilen, ob die Anatomie der Mitralklappe für eine Reparatur geeignet ist.
Typische Eignungskriterien:
Stadium: spätes B2 oder frühes C-Stadium
Gewicht: in der Regel über 3 kg
Anatomie: geeignete Klappenmorphologie für eine Reparatur
Allgemeinzustand: keine schwerwiegenden nicht-kardialen Begleiterkrankungen
Erste Einschätzung der Eignung
Eine erste Einschätzung erfolgt durch das TEER-Team der LMU Tierkardiologie nach einer
echokardiographischen Untersuchung.
Wenn Ihr lokaler Kardiologe bereits die wichtigen Schnittebenen aufgenommen hat, können wir die DICOM-Videoloops schon vor einer Anreise nach München sichten.
Die endgültige Entscheidung über die Eignung wird unter Anästhesie mittels transösophagealer Echokardiographie unmittelbar vor dem Eingriff getroffen.
Für überweisende Tierkardiologen: Hier finden Sie ein PDF mit den wichtigen Aufnahmen und Schnittebenen.
Warum dieses Verfahren an einem spezialisierten Zentrum durchgeführt werden sollte
Die minimalinvasive Mitralklappenreparatur beim Hund erfordert ein hochspezialisiertes Team, umfangreiche Erfahrung in interventioneller Kardiologie sowie moderne Bildgebung und strukturierte perioperative Betreuung.
An der Kleintierklinik der LMU wird das Verfahren in einem spezialisierten Setting mit enger Zusammenarbeit zwischen Kardiologie, Chirurgie, Anästhesie und Intensivmedizin durchgeführt.
Ist das Verfahren mit Risiken verbunden?
Wie bei jedem herzchirurgischen oder interventionellen Eingriff können Komplikationen auftreten. Das individuelle Risiko hängt vom Patienten, der Anatomie der Mitralklappe und der allgemeinen klinischen Situation ab.
Das TEER-Verfahren ist jedoch deutlich weniger invasiv als eine offene Mitralklappenoperation mit Herz-Lungen-Maschine. Eine sorgfältige Fallauswahl bleibt entscheidend.
Erwartete Wirkung und Erholungszeit
Ziel des Eingriffs ist eine deutliche Verringerung der Mitralinsuffizienz und damit eine Verbesserung
der Herzbelastung. Bei vielen Hunden kann der Medikamentenbedarf nach dem Eingriff reduziert werden,
auch wenn im Langzeitverlauf weiterhin kardiologische Kontrollen und bei manchen Patienten
erneute Anpassungen der Medikamente erforderlich bleiben.
Die meisten Patienten können in der Regel nach 2 bis 4 Tagen nach Hause entlassen werden. Die Beschwerden nach dem Eingriff sind häufig gering, manchmal sind in den ersten Tagen leichte Schmerzmittel nötig.
Kosten
Der Eingriff kostet derzeit ungefähr 12.000 €. Falls während derselben Operation ein zweites V-Clamp benötigt wird, entstehen aktuell keine zusätzlichen Device-Kosten.
Das LMU TEER-Team
Das TEER-Team der Kleintierklinik der LMU wird von Prof. Dr. Gerhard Wess geleitet.
Es umfasst derzeit Chirurgen, Kardiologen, einen TEE-Ultraschall-Spezialisten sowie spezialisierte
Anästhesisten und Experten aus der Intensiv- und Notfallmedizin.
Diese enge Zusammenarbeit ist eine wichtige Voraussetzung für die sichere Durchführung eines so anspruchsvollen Eingriffs.
Nachsorge
Nach dem Eingriff sind regelmäßige kardiologische Kontrolluntersuchungen für mindestens ein Jahr wichtig,
um die Erholung und die längerfristige Herzfunktion zu überwachen.
Diese Untersuchungen können je nach Situation entweder in unserer Klinik oder in Zusammenarbeit mit Ihrem regulären Kardiologen erfolgen.
Kontakt und Übermittlung von DICOM-Bildern
Für Terminvereinbarungen, Fallanfragen und die Übermittlung von DICOM-Videoloops kontaktieren Sie bitte das TEER-Team der LMU.
Bitte senden Sie DICOM-Bilder oder Download-Links an: kleintier.kardiologie@lmu.de
Allgemeine Informationen zur Überweisung finden Sie hier: Überweisungen
Online-Version des Flyers
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